I love Mr. Breaburn

Eigentlich sollte dieser Eintrag unter dem Titel: „da brat‘ mir doch einer ’nen Apfel“, erscheinen. Dies sollte eine Anspielung auf die alte Redensart „da brat‘ mir doch einer ’nen Storch“ sein. Doch ich frage mich, wer dieses Sprichwort heute noch kennt.

Das eigentliche Sprichwort ist ein Sinnbild für etwas noch nie dagewesenes, ein Ausruf der Verwunderung oder aber auch Verärgerung.
Diese Redensart geht auf die abergläubische Verehrung dieser Vögel zurück: Nisten Störche auf dem Hof oder Schornstein eines Hauses, so gilt dies noch heute als Glücksbringer und Symbol der Fruchtbarkeit.
Darüberhinaus verbietet eine biblische Speisevorschrift (der Luther-Bibel von 1545) es strikt, bestimmte Tiere zu essen, darunter auch den Storch. Es musste also etwas  außerordentliches geschehen sein, dass man deswegen sogar gegen dieses „Gebot“ verstossen würde!

Da ich annehme, dass dies Sprichwort den Meisten Menschen heute nicht mehr geläufig ist, ist es bei mir für den Einsatz hier „vom Tisch“, wie man so sagt  😉

Stattdessen gestehe ich meine Liebe für Mr. Breaburn! Das kann ich ganz offen zugeben – wir sind ja schließlich unter uns!Diesen Mr. Breaburn dürften viele von Euch kennen – wenn vielleicht auch nicht dem Namen nach.
Es handelt sich dabei um eine ungemein schmackhafte Apfelsorte, die derzeit auch von regionalen Produzenten zu bekommen ist. Der Breaburn stammt ursprünglich aus Neuseeland, wird aber seit Jahren auch hierzulande kultiviert. Der zweifarbige mittelgroße Apfel besitzt knackig-festes, saftiges Fruchtfleisch und hat ein komplexes süß-herbes Aroma.

Den kann man am besten direkt vernaschen, man kann damit aber auch noch viele andere leckere Dinge machen, z. B. das Apfelbrot, dass ich in einem meiner letzten Einträge vorgestellt habe.
Ich habe mir erlaubt, damit einen Fruchtaufstrich zu machen!
Mir gefällt der Begriff Konfitüre eigentlich besser – irgendwie gehobener…
Als ich mich aber mit diesen Begrifflichkeiten, also Marmelade, Konfitüre und Fruchtaufstrich beschäftigte, verursachte das einen fast schmerzhaften „Facepalm“!

Laut der deutschen Konfitüren­verordnung (und EU-Vorschriften) dürfen nur Brotaufstriche aus Zitrus­früchten als Marmelade verkauft werden. Das bedeutet also, dass es die gute Erdbeermarmelade gar nicht gibt!! – Schock! (Das ist ja fast wie mit Bielefeld!)

Konfitüre ist die auf die geeignete gelierte Konsistenz gebrachte Mischung von Zuckerarten, Pulpe und/oder Fruchtmark einer oder mehrerer Fruchtsorten und gegebenenfalls Wasser. Dabei muss der allgemeine Fruchtgehalt mindestens 35g je 100g betragen. Entscheidend ist aber, dass die „die lösliche Trocken­masse“ (u.a. Zucker!) min­des­tens 60% betragen muss. – Eine gruselige Vorstellung und das ganze Gegenteil meines persönlichen Qualitätsanspruches.

Der Fruchtaufstrich wie­de­rum ist ein Brotaufstrich aus Zucker und eingekochten Früchten, der nicht in eine der vorher genannten Kategorien fällt.

Als Gelee werden süße Brotaufstriche bezeichnet, bei deren Herstellung keine ganzen Früchte, sondern Fruchtsaft verwendet wird.

Nach meiner Recherche muss ich gestehen, dass mich am meisten erschüttert hat, dass es so etwa wie eine Konfitürenverordnung überhaupt gibt!!

Da es sich beim Apfel nicht um eine Zitrusfrucht handelt – und auch um kein Gelee, habe ich hier also ein Rezept für einen ausgezeichneten Fruchtaufstrich, den ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Bratapfel-Fruchtaufstrich mit Marzipan

Zutaten für etwa 4 Gläser à 300 ml:
800 g Äpfel (geschält und entkernt)
125 g Rumrosinen
6-7 EL Zitronensaft
1 TL Zimt
9 Tropfen Bittermandel-Öl
250 ml Apfelsaft (naturtrüb)
50 ml Rum (40 Vol.-%)
100 g Marzipan-Rohmasse
500 g Gelierzucker (2:1)

Zubereitung:
Zunächst den Ofen auf 190° Ober-/Unterhitze vorheizen.
Die Äpfel schälen, vierteln, entkernen und in Würfel schneiden.
Ein Backblech mit Backpapier auslegen, die Würfel darauf verteilen und für etwa 25 Minuten auf mittlerer Schiene backen – bis sie weich und etwas gebräunt sind.

Dann die Würfel aus dem Ofen holen und in ein hohes Rührgefäß geben.
Kleiner Tipp: ich habe die Apfelwürfel – die leider ziemlich am Papier kleben – mit einer Tortenpalette vom Papier geschubst – das hat rückstandsfrei geklappt.
Zitronensaft über die Äpfel geben; Marzipan-Rohmasse in kleine Stücke zupfen und zufügen, ebenso Zimt, Bittermandel-Öl, Rum und Apfelsaft zugeben.
Mit dem „Zauberstab“ grob pürrieren.

Die Masse nun in einen ausreichend großen Topf geben, den Gelierzucker zufügen und unter Rühren zum Kochen bringen, die Rosinen zufügen und alles unter Rühren etwa 5 Minuten sprudelnd aufkochen.

Nun den Topf von der Herdplatte nehmen und die Masse noch heiß in die vorbereiteten, sauberen und trockenen Schraub-Gläser geben. Die Gläser verschließen und für etwa 10 Minuten auf den Kopf stellen – dann umdrehen. Dadurch entsteht ein Vakuum, dass das Glas versiegelt. – Geschafft!

Und das Ergebnis ist sowas von lecker – da brat‘ mir doch einer ’nen Storch!!

bratapfel

PS: Wie das Bild erkennen lässt, habe ich mich mit der Konfitürenverordnung erst im Nachgang beschäftigte! Da waren die Label schon auf den Gläsern!  😉

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